Achtung: Ton ab, Kamera läuft

Fernsehen "machen" ist harte Knochenarbeit, einerseits für die Schauspieler, andererseits für die Crew der Technik des Schweizer Fernsehens SF DRS. Dies können Interessierte seit dem vergangenen Wochenende live miterleben.

Dem traditionellen Wiler „Steckliträge“ am 20. September zu Ehren der Stadtschützen wohnte in diesem Jahr ein ganz spezieller Gast bei: SF DRS, welches den Anlass aufzeichnete, um im Rahmen der Serie „Fensterplatz“ darüber zu berichten. Im ganz besonderen Rampenlicht standen die Stadttambouren, mit denen das Fernsehen einen separaten Videoclip drehte.

Schnappschüsse vom Dreh!

"Für eine fixfertige Sequenz, die dann um die zwei Minuten über die Bildschirme flimmert, sind um die zwei Stunden Dreharbeiten nötig" erklärte Rolf Wyss, der Regie führte. Und das auch nur dann, wenn alles gut gehe, ergänzte er. Doch mit den telegenen Wiler Stadttambouren konnte ja nichts schief gehen: die 20 Trommler und die 15 Claironbläser der Aktiv-Sektion boten in ihren schmucken, blauen Röcken, die den Original-Uniformen der St. Galler Tambouren von 1830 nachgearbeitet sind, allein schon ein schönes Stimmungsbild.

Alles Playback

Die Stadttambouren stellten sich nach den Anweisungen von Redaktor Rolf Wyss in den gewünschten Formationen und Positionen auf: "Achtung, Ton ab ... Kamera läuft". Aus dem Lautsprecher ertönte der Marsch "Festival" und alsbald wirbelten die Tambouren ihre Trommelschlegel auf ihre Trommelfelle, die Bläser setzten ihre blinkenden Clairons an die Lippen und Kameramann Hansjörg Wahl liess seine High-Tech-Kamera "schnurren".

"Heute müssen wir die Bilder zum Ton liefern", erklärte Tambourmajor Philipp Rütsche. "Live" ginge das nie, meinte er. Deshalb wurden die Tonaufnahmen vorgängig im Studio gemacht. So trommelten und bliesen die Musikanten deshalb nur im Playback-Verfahren. Immer und immer wieder erschallte der Marsch "Festival" (er wurde beinahe zum Ohrwurm) und die Stadttambouren "spielten" und "spielten".

Fotogenes Brauchtum

Da eine interessante Kameraführung auch entsprechende Blickwinkel verlangt, musste die Musikgruppe verschiedene Standorte einnehmen. So positionierten sie sich vor dem Restaurant Hof zu Wil, vor der Altstadt und vor dem Baronenhaus. Sogar die gute Stube von Margrit Helfenstein, die im ersten Stock der Trinkstube zum Harz wohnt, wurde dank ihrem genialen Ausblick auf den Hofplatz kurzerhand als Standort für die Kamera auserkoren. Für die Zuschauer boten sich die Barhocker oder die Sessel der "Strassen- und Terassenbeizen" als beste Ausgucksorte über die Dreharbeiten an.

So konnten die Vorgänge auf dem Platz am Schatten bei einem Drink bestens beobachtet werden. Nach den Aufzeichnungen mit den Tambouren wurden Sequenzen vom "Steckliträge" aufgenommen. Der Brauchtum entstand Ende des 15. Jahrhunderts. Es war in Wil üblich, jeweils am Samstag des Endschiessens der Wiler Stadtschützen (erstes Oktober-Wochenende) einen Umzug durch Wil abzuhalten. Dann binden Wiler Kinder gespendete Gaben an die "Steckli" und tragen sie durch die Gassen. Zwei Bajasse führen den Umzug an und der Wiler Stadtbär begleitet das fröhliche Treiben.

Die musikalische Sendung "Fensterplatz" mit dem Thema: "Durch das untere Toggenburg" wurde am 6. November 03 auf SF DRS ab 21 Uhr ausgestrahlt.

Maya Heizmann, Thurgauer Zeitung, 24. September 2003


letzte Änderung: 11.11.03 | webmaster@stadttambouren-wil.ch