OTV-Seminar-Workshop in Wil

Nachwuchs als Zukunftspotential

Der Ostschweizerische Tambouren Verband lud seine Mitglieder am 23. Oktober zum Seminar-Workshop in Wil ein. Im Zentrum stand für einmal nicht das praktische Musizieren, sondern die Diskussion um den Nachwuchs. Zentrale Frage war: Wie können OTV-Vereine eine optimale Nachwuchs-Situation schaffen? Man war sich einig im OTV: Seriöse Arbeit ist bei der Anwerbung wie bei der Ausbildung der Jugend durch qualifizierte Leiter gefragt.

Nachwuchs ist Zukunft

Am Samstag, dem 23. Oktober, trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Tambourenvereine des OTV zu einem Seminar-Workshop in Wil. Im Zentrum der Veranstaltung stand für einmal nicht das praktische Musizieren, sonder die Jugend, beziehungsweise die Frage danach, wie eine optimale Nachwuchssituation geschaffen werden kann. Denn als musikalisches Zukunftspotential eines jeden Vereins verdient der Nachwuchs besondere Beachtung. Im optimalen Falle sollte ein Verein – unter Verwendung der bestmöglichen pädagogischen und didaktischen Mittel – dem Nachwuchs nicht nur zu musikalischem Können verhelfen, sondern auch als soziales Umfeld funktionieren, in dem sich der Nachwuchs entwickeln kann. Ziel des OTV-Seminars war es, Massnahmen zu diskutieren, die eine Erreichung dieses optimalen Falles erleichtern sollten.

Zentrale Themen

In verschiedenen Workshops setzten sich die Seminar-Teilnehmer – musikalische Leiter, Vorstandsmitglieder sowie weitere jüngere und ältere Vereinsmitglieder – abwechslungsweise mit drei wesentlichen Themen auseinander: Mit welchen Mitteln lässt sich musikalischer Nachwuchs gewinnen? Mit welchem Ausbildungskonzept lässt sich eine Abwanderung des Nachwuchses verhindern? Und welche Aspekte müssen in der Ausbildung musikalischer Leiter berücksichtigt werden, damit diese dem Nachwuchs mit ihrem Können auch wirklich ein optimales Umfeld garantieren können? Die verschiedenen Resultate wurden von den Moderatoren des Workshops, Giovanni Razzino, Philipp Rütsche, Rolf Joos und Pascal Dohner, zusammengetragen und an einer abschliessenden Podiumsdiskussion präsentiert.

Gewinnung von Nachwuchs

Es zeigte sich klar, dass bereits zur Gewinnung von musikalischem Nachwuchs sowohl für die Trommel und die verschiedenen Perkussionsinstrumente, welche in den OTV-Vereinen gespielt werden, als auch für das Clairon und das Piccolo intensiv und auf verschiedenen Ebenen gearbeitet werden muss. Es ist zum einen der Verein selbst, und nicht bloss die Jugendabteilung, welcher mit entsprechenden Auftritten darum bemüht sein muss, die traditionellen wie modernen musikalischen Strömungen eines Tambourenvereins einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen und so einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Zum anderen ist es aber auch die Jugendabteilung, die stets mit Medien, Schulen und Musikschulen zusammenarbeiten muss, um auf ihre Aktivitäten – besonders aber auf entsprechende Anfängerkurse – verweisen zu können.

Ausbildung von Nachwuchs

Ebenso seriös wie die Anwerbung von musikalischem Nachwuchs muss dessen Ausbildung und Förderung geschehen. Auch auf dieser Ebene ist seriöse Arbeit gefragt, wenn verhindert werden will, dass der musikalische Nachwuchs rasch die Freude am Musizieren verliert und damit aufhört. Der Weg führt in diesem Zusammenhang über die Motivation, sie ist das Herzstück einer jeden musikalischen Ausbildung. Doch die Schaffung von Motivation ist komplex: Musikalischer Unterricht muss fordern, aber nicht überfordern, für Lob und Kritik muss das richtige Mass gefunden werden und Ziele müssen klar definiert sein. In der Wahl der Arbeitsmethoden und Mittel soll der Ausbilder kreativ sein. Ganz wichtig scheint jedoch, dass den jungen Musizierenden möglichst rasch die Chance gegeben wird, ihr Können an Auftritten zu präsentieren und an diesen Erfolgserlebnissen zu wachsen.

Betreuung von Ausbildern

Um eine solche Unterrichtssituation gestalten zu können, ist es für einen Tambourenverein nötig, über entsprechende Leiter und Ausbilder zu verfügen, die wiederum sowohl mit Fachwissen als auch mit padägogisch-didaktischem Wissen ausgerüstet sind. Basis eines erfolgreichen Wirkens solcher Leiter, die meist aus den eigenen Reihen des Vereins rekrutiert werden können, ist nun aber gerade eine optimale Ausbildung und Betreuung, welche diese Leiter erfahren müssen. Sie werden zwar in Leiterkursen des OTV auf ihre anspruchsvolle Jugendarbeit vorbereitet; unabdingbar ist jedoch, dass sie während ihres Wirkens im Verein betreut werden und ihnen die Möglichkeit zum Austausch ihrer Erfahrungen mit erfahrenen Leitern offen steht. Oft sind es Selbstzweifel, die einen angehenden Leiter in seiner Arbeit hindern. Abhilfe kann geschaffen werden, indem jungen Musizierenden bereits während ihrer Ausbildung die Möglichkeit gegeben wird, im kleinen Rahmen – beispielsweise während der Arbeit in Kleingruppen – Führungsaufgaben zu übernehmen, um so den Respekt vor einer späteren Leitertätigkeit zu verlieren.

Individuelle Lösungen

Dass die am Seminar diskutierten Lösungen nicht als universale Rezepte verstanden werden können, ist selbstverständlich. Es bleibt nach wie vor die Aufgabe jedes Vereins, seinen Möglichkeiten sowie seinen Umständen entsprechend individuelle Lösungen zur Erreichung einer optimalen Nachwuchs-Situation zu suchen. Durch das OTV-Seminar ist es jedoch sicherlich gelungen, die Reflexion und den Austausch zum Thema Nachwuchs anzuregen.

Text: Nadio Giger


letzte Änderung: 28.10.04 | webmaster@stadttambouren-wil.ch