Die jungen Wilden
2002-2012
Bestimmt fiel es dem Wiler Trommlerherzen nicht leicht, mit einer letzten Teilnahme am Eidgenössischen Tambouren- und Pfeiferfest 2002 in Sierre und dem im November durchgeführten Jahreskonzert, Fredy Tribelhorn nach seiner 37-jährigen Tätigkeit als Sektionsleiter zu verabschieden. Bekanntlich gehört jedoch zum weinenden auch ein lachendes Auge, und dementsprechend freute man sich mit Philipp Rütsche, dem Fachlehrer Tambouren der Schweizer Armee, einen kompetenten Nachfolger gefunden zu haben. Dass die Zukunft in guten Händen war, machte sich nicht nur an der Spitze der Aktivsektion, sondern auch beim Nachwuchs bemerkbar. Mit Isabella Walzthöny, Jan Künzle und Yves Wiesli wuchsen drei Wiler Sprösslinge heran, die sich früh einen Stammplatz in den obersten Reihen der Wettspiel-Ranglisten reservierten. Jahr für Jahr waren sie es, die das Kalbsfell mit der feinsten Technik, der dynamischsten Betonung und dem akribischsten Taktgefühl bearbeiteten. Von 2002 bis 2008 nannte sich der Ostschweizermeister in den entsprechenden Alterskategorien stets Jan Künzle oder Yves Wiesli; 2004 und 2007 besetze das Super-Trio gar das komplette Treppchen. Die drei Wiler Jungbläser Roman Hinder, Adrian Vogler und Lukas Loser durften mit etwas Wehmut als die Letzten ihrer Art bezeichnet werden. Sie stellten sich bis 2009 in der immer karger besuchten Kategorie «Clairon Junioren», welche fortan vergeblich im Festprogramm gesucht wurde. Die Aktivsektion hatte ihrerseits anfangs der 2000er allerhand um die Ohren. Allein im Jahre 2004 verzeichnete man rund 20 Auftritte, mit der Teilnahme am «Festival International du Tambour» im französischen St. Brieuc als Höhepunkt. Das darauffolgende Jahr stand dann vollkommen im Zeichen der 20. Ostschweizerischen Tambouren-, Pfeifer- und Claironwettspiele «Wil05», welche rund 1200 Musikbegeisterte nach Wil lockten, und für vielerlei erfreuliche Reaktionen sorgten. Vom Erfolg des eigenen Fests beflügelt, reisten die Stadttambouren 2006 ins Mekka der Trommelszene und nahmen an den Eidgenössischen Tambouren-, Pfeifer- und Claironwettspielen in Basel teil. Noch im selben Jahr etablierte sich nebst einer «Alten Garde», bestehend aus ehemaligen Aktivmitgliedern, auch eine Showgruppe, die am Jahreskonzert mit dem Showstück «Noises-on» für offene Münder und fleissig klatschende Hände sorgte. In bedächtigem Stil liess Isabella Walzthöny 2007 mit dem Bestehen der musikalischen Aufnahmeprüfung der Schweizer Armee die Trommelschweiz aufhorchen und rückte als erste Frau überhaupt als Tambourin in die Rekrutenschule der Schweizer Armee ein. Mit dem Rücktritt des Präsidenten Peter Krähenbühl ging im Folgejahr eine Ära, geprägt von Leidenschaft, Innovation und Elan zu Ende. Beerbt wurde der scheidende Präsident von Thomas Meyer, der die Ideale Krähenbühls mit aller Sorgfalt zu wahren wusste. Das erste Amtsjahr des Neopräsidenten liess keine Zeit für Aufwärmrunden – ganz im Gegenteil, im Jahre 2009 ging es zu und her wie am Eisstand im Hochsommer. Dreiergruppenmeisterschaft «Wil09», musikalische Untermalung des Kantonalturnfests und Gast an der OLMA – um nur einige Highlights zu nennen. In Zusammenarbeit mit Meyer entwickelte Dauerjungtambourenleiter und Lehrmittelautor Leo Künzle einen Schriftfont der uns heute bekannten Notenschrift «Zündstoff» und perfektionierte damit seine Mitarbeit an der Entwicklung und Etablierung derselben. Nachdem die Stadttambouren um die Jahrzehntwende, an den Eidgenössischen Tambouren- und Pfeiferwettspielen in Interlaken, endlich wieder auf der grosse Bühne das Trommel- und Claironspiel zelebrierten, klopfte schon bald ein weiterer Grund zur Feier an der Tür. Unter dem Motto «Celebration!»
würdigten die Stadttambouren 2011 anlässlich des Jahreskonzerts ihr bevorstehendes 90- Jahre-Jubiläum.