Die Ruhe vor dem Sturm

1932-1941

Die Welt schien aufgrund der Weltwirtschaftskrise stillzustehen, und dennoch florierte das Interesse am Wiler Tambourenverein, welcher im Jahre 1933 bereits 22 Aktivmitglieder zählte. Das Wachstum des Vereins hatte auch einen entscheidenden Einfluss auf die immerwährende Diskussion rund um die OTV-Zugehörigkeit. Der zunehmende Verbundenheitsdrang gewann gegenüber der vorherrschenden Meinung, der OTV bürge zu hohe Kosten, Überhand und brachte schliesslich die Waage zum Kippen. Nach dem Austritt aus dem OTV 1928 trat der Tambourenverein Wil diesem demzufolge 1932 erneut bei und nur ein Jahr später folgte der Eintritt in den Schweizerischen Tambourenverband (STV). Im Jahre 1934 ereilte die Stadttambouren die traurige Nachricht über den Tod des Gründervaters Hans Good. Die Vereinskameraden quittierten diese Botschaft mit dem Trauermarsch und erwiesen ihrem Präsidenten damit die letzte Ehre. Mit den Idealen Goods in engster Erinnerung trieben die Wiler Tambouren die Entfaltung des Vereins voran und tätigten 1936 die wohl symbolträchtigste Anschaffung der Wiler Trommelgeschichte. Die für 465 Fr. erworbene erste Vereinsfahne sollte unter feierlichem Tumult in der Innenstadt eingeweiht werden. An jenem Tag sorgten nebst der Wiler Stadtmusik zehn Tambouren- Sektionen aus der ganzen Schweiz für Unterhaltung. Einzig die schwarzen Wolken am Himmel drückten die Stimmung und machten dem Kassier einen Strich durch die Rechnung: Es musste ein Defizit von 352.95 Fr für den Anlass verzeichnet werden. Dennoch darf das Unterfangen als Meilenstein angesehen werden. Der OTV schrieb: «Möge dieser Anlass der neuen Fahne den Stempel der Liebe, Freundschaft, Kameradschaft und Treue geben. Kameraden! Ehrt die Trommel! Ehrt die Fahne!» und die Patensektion aus Schaffhausen bemerkte: «Kameraden! Eure Fahne weht, heiliges Symbol der Vereinsmayestät, Du liebe Fahne wehe froh und frei, wir halten unsere Jdeale treu». Im Jahre 1938 erneuerten und erweiterten die Stadttambouren ihre Vereins-Statuten. Die darin enthaltene Information reichte vom Zweck des Vereins über Mitgliederbeiträge bis hin zu Strafzahlungen infolge Nichterscheinen an verschiedenen Anlässen. Das unentschuldigte Auslassen einer Übungsstunde wurde mit 30 Rappen Strafe sanktioniert und wer bei einer Inspektion durch den Tambour Adjutanten, «Militärische Schlussprüfung» genannt, nicht erschien, wurde mit dem Maximalbetrag von 3 Franken gebüsst. Die forcierte Disziplin erzeugte einen Ehrgeiz, der sofort Früchte trug. Nach drei siegreichen Jahren in Folge, gelangte der Wanderbecher der 6. Division, der Preis für die beste militärische Schlussprüfung, 1937 endgültig in Wiler Besitz. Wettspiel-Luft durfte der Tambourenverein bereits 1934 am OTV-Fest in Winterthur schnuppern, 1937 reiste man nach Luzern, um dort ein erstes Mal einem Eidgenössischen Tambourenfest beizuwohnen. Die Mitglieder des jungen Vereins reduzierten ihre Bemühungen allerdings keinesfalls auf den Wettkampf, allen voran Präsident Adolf Billwiller, der 1939 zum OTV-Obmann gewählt wurde. Die Knospen der Wiler Trommelszene blühten – bis zu jenem denkwürdigen 1. September 1939, als über dem ganzen Land Sturmglocken ertönten und die Wiler Tambouren in den Aktivdienst einrücken mussten. Der Krieg entpuppte sich als Entwicklungsbremse und dämpfte fortan die Vereinsaktivität. Die 12 eingerückten Soldaten liessen einen Verein zurück, der mit den Sorgen der Zeit konfrontiert war. Im Jahresbericht des Jahres 1941 steht geschrieben: «Fortwährend waren die einten wie die anderen Kameraden im Aktivdienste abwesend und dadurch die gesamt Tätigkeit des Vereins sehr gehemmt. Doch wollen wir nicht den momentanen Schicksalen die, die heutigen Generationen betroffen haben einer grossen Kritik unterwerfen, den daran können wir nichts

ändern, nur den Wunsch hegen, dass einerseits uns allen, wie unserem lieben Vaterlande jeder Unheilvolle Einbruch in Zivil, wie Vereinsleben durch Kriegswirren erspart bleibe und andererseits das friedliche Familienleben und von Sorgen nicht befreite Arbeitsfeld den normalen Zeiten zurück bringe.»

1934: Die Stadttambouren an der Beerdigung ihres lieben Präsidenten Hans Good.

« von 5 »