DrumHerum
2012-2022
Aufgepasst, liebe Wilerinnen und Wiler – bald werden wieder Trommelfelle strapaziert! Dass der Klag der Trommel allerdings nicht allseits beliebt ist, wissen die Stadttambouren seit dem Ostschweizerischen Jungtambourenwettspiel 2018 in Wil. Mit einer Wortwahl, die sich eher für den Beschrieb von Krieg und Elend geeignet hätte, wetterte ein Wiler Politiker in einem Leserbriefs mit der Überschrift «Der monotone Terror zu Gast in Wil» über die Durchführung des Wettspiels. Der Fall wurde Thema der nationalen Medien, löste eine Welle der Solidarität gegenüber den Veranstaltern aus und ehe man sich eine einzelne Meinung zu Herzen nehmen konnte, war diese der Tropfen auf dem heissen Stein. Klar, auch das jüngste Jahrzehnt der Vereinsgeschichte hatte Ecken und Kanten. Aber zurück zum Anfang: Das Jahr 2012 stand im Zeichen der Jungtambouren, die sich an den OTV- Jugendwettspielen in Domat-Ems 14 Kranzauszeichen ertrommelten. Obendrein reisten die Jungtambouren im selben Jahr nach Savièse und nahmen unter der Leitung von Isabella Walzthöny als erste Wiler Sektion an einem Eidgenössischen Jugendwettspiel teil. Das darauffolgende Jahreskonzert unter dem Motto «Go West!», inklusive der Erstaufführung des Showstücks «AmerryBar», komponiert von Lukas Osterwalder im Rahmen seiner Maturaarbeit, rundete ein Jahr reich an Auftritten ab. Die frühen 2010er liessen den Stadttambouren viel Raum, sämtliche ihrer Facetten zu präsentieren. Beispielsweise vertrat man den Kanton St. Gallen am Sechseläuten 2013 in grün-weiss karierten Hemden oder genoss die Zusammenkunft der Trommelschweiz anlässlich der Eidgenössischen Tambouren- , Pfeifer- und Claironwettspiele 2014 in Frauenfeld. Zu Weihnachten reisten die Stadttambouren dann an den Fuss des Säntis und wünschten den Fernsehzuschauern des TVO mit dem Showstück «Latino Macchiato» auf ihre Weise besinnliche Feiertage. Bald schon läuteten die Neujahrsglocken ein Jahr ein, das für die Stadttambouren im Zeichen des Wandels stand, denn die Jungen rüttelten gewaltig am Vereinsgerüst. Allen voran übernahm Colin Bellhouse das Präsidentenamt vom scheidenden Präsidenten Thomas Meyer, dessen Engagement und Stärke in der Kommunikation vereinsübergreifend geschätzt wurde. Fussstapfen, in die man allemal guten Gewissens hätte treten können, und dennoch schlug der Neopräsident einen eigenen, abenteuerlichen Weg ein und beweist mit seinen Einfällen den Stadttambouren noch heute, wie schmal der Grat zwischen Albernheit und Genialität ist. Auch an der musikalischen Spitze hatte man die Weichen neu gestellt: Philipp Rütsche gab den Dirigentenstock 2014 sinnbildlich an Jan Künzle weiter. Unter dem jungen Vorstand begaben sich die Stadttambouren 2016 auf Vereinsreise und fanden sich vorerst im Appenzellerland wieder, wo sie im Seilpark Kronberg ihre Balance unter Beweis stellen mussten. Weitere Höhepunkte der Reise waren ein Besuch in der Schaukäserei, die Absolvierung eines Foxtrails in St. Gallen und die Übernachtung auf dem Alten Säntis. Im Jahre 2017 hatten die Stadttambouren allerlei um die Ohren. Nebst dem Besuch verschiedener Hochzeiten und dem Mitwirken am Stadtfest, nahmen die Stadttambouren auch am Ostschweizerischen Tambourenwettspiel in Wädenswil teil. Im Folgejahr luden die Stadttambouren die regionalen Konkurrenzsektionen anlässlich des Ostschweizerischen Jungtambourenwettspiels in die Äbtestadt ein. Endlich wieder massen sich die grössten Talente der Ostschweiz in Wil. Und endlich wieder durfte der Festsieger eine Holztrommel unter tosendem Applaus in die Höhe stemmen. Zu verdanken war dies dem Wiler Trommelbauer Urs Künzle, der mit dem Sponsoring dieses Preises eine abhanden gekommenen Tradition defibrillierte. Zwar sind die Stadttambouren Wil seit ihrer Gründung
politisch neutral, und dennoch erfüllte die Wahl der Wiler Politikerin Karin Keller-Sutter im Herbst desselben Jahres gewiss einige Wiler Herzen mit Stolz und die Stadttambouren freuten sich, die frisch gebackene Bundesrätin von der Hauptstadt in ihre Heimatstadt begleiten zu dürfen. Diverse kleinere Auftritte schmückten das Jahr 2019, einzig die Vereinsreise nach München sollte den Stadttambouren wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Tja, und dann war es so weit. Was der Tambour als Fermate bezeichnet, war für die Menschheit der Beginn der Covid-19 Pandemie. Doch wird bekanntlich nach der Fermate, wenn auch nach einigem Verschnaufen, weitergetrommelt und so richteten sich die Stadttambouren nach redlich Diskutieren und Studieren Online-Proben ein. Klar, makellos waren diese Proben, die über «Zoom» stattfanden, aus verschiedenen Gründen nicht und dennoch war man froh, endlich wieder gemeinschaftlich trommeln zu können. Mit dem Umweg über Masken und gruppierten Proben fanden die Stadttambouren anfangs 2022 schliesslich zu ihren alten Mustern zurück. Bestimmt verlangte die Pandemie jedem Einzelnen eine ordentliche Portion Durchhaltevermögen ab und dennoch, frei von Freude und Festen war auch diese Ära nicht. 2020 feierte man gemeinsam mit allen Tochtervereinen online das 100-jährige Bestehen des OTV. Der rote Faden des Anlasses schlang sich um Videos, in denen die Sektionen dem Dachverband ihre Glückwünsche kundtaten. Die kreativsten Einsendungen sollten mit einem Preis belohnt werden und die Stadttambouren freuten sich, dass das Zuschauer-Voting das Wiler Projekt als Sieger kürte. Mit dieser erfolgreichen Hauptprobe im Rückspiegel steuern die Stadttambouren nunmehr auf ihr eigenes 100-jährige Bestehen zu und wer die Stadttambouren kennt weiss, dass dies kein Sonntags-Ausfährtchen werden sollte. Nebst der Organisation fantastischer 41. Jungtambourenwettspiele, haben sich die Wiler die Anschaffung einer neuen historischen Uniform zum Ziel gemacht. Klar, 40 massgefertigte Kleidungsstücke haben ihren Preis. Wer tief in die Tasche greifen will, muss diese vorderhand füllen, und ohne die Unterstützung vieler grosszügiger Geldgeber, darunter Firmen, die Stadt Wil, Freunde und Familie wäre dies bei Weitem nicht möglich gewesen. Besonders der Sponsorenlauf «DrumHerum», anlässlich dessen die Aktivsektion und einige Jungtambouren den «Weg rund um Wil» im Rahmen der individuellen Möglichkeiten absolvierten, stellte sich als wahres Highlight des Sponsoring- Unterfangens heraus. Nun freuen sich die Stadttambouren auf die Geburtstags- Feierlichkeiten. Der Jubiläumsabend mit Auftritten der Stadttambouren, den Tambouren der Militärmusik-RS 16-2 22, der Su(mp)fff Brass und Drums2Streets; die Präsentation der neuen historischen Uniform und das musikalische Messen der Jungtambouren versprechen einen würdigen Rahmen, 100 Jahre Wiler Trommelgeschichte zu feiern. In diesem Sinne Prost auf alle TambourInnen, ClaironistInnen, SektionsleiterInnen, Präsidenten, Vorstandsmitglieder und Freunde der Stadttambouren, die dem Verein seine heutigen Fassaden verliehen haben – auf diese darf man getrost stolz sein.