Gipfelstürmer
1972-1981
Sicherlich erfreute sich der Verein gerne der Lorbeeren aus jüngster Vergangenheit und er durfte sich, sei es aus kameradschaftlicher oder musikalischer Sicht, getrost auf eine genauso rosige Zukunft freuen. Von einer perfekten Ära zu sprechen, würde den Bogen dennoch masslos überspannen. Zu den Problemchen der Zeit gehörten die rückläufige Probepräsenz der Bläser und kleinere zwischenmenschliche Unstimmigkeiten, die zu personellen Veränderungen innerhalb der Vereinsstrukturen führten. Was die Musik angeht, sollten jene Jahre jedoch zu den erfolgreichsten der Vereinsgeschichte werden. Am Eidgenössischen Wettspiel 1982 in Schwyz wurde Marcel Wiesli, punktgleich mit dem Gossauer Roman Lombriser, sensationell Schweizer Meister. An fortan regelmässig wiederkehrenden Saalkonzerten liessen die Stadttambouren Freunde und Familie am aktuellen Repertoire teilhaben. Das Saalkonzert 1984 in der Tonhalle, bei dem der Tambouren- und Pfeiferverein Visperterminen, die Geschwister Looser und ein Musikclown mitwirkten, blieb sämtlichen Beteiligten wohl besonders lange in Erinnerung. Am OTV- Wettspiel 1985 in Herisau standen die Stadttambouren in der Kategorie Tambouren S1 ganz oben auf dem Treppchen und mussten sich in der Kategorie Tambouren/Clairon nur dem Tambourenverein Fürstenland Gossau geschlagen geben. Noch im selben Jahr krempelten die Wiler Bläser ihr Vereinsinventar um. Sechs Fanfaren, zwei Bassclairons, zwei Hörner und eine Bassfanfare wurden angeschafft, während zugleich sämtliche Ventilinstrumente ausgemustert wurden. Dann folgte der musikalische Zenit in der Geschichte der Wiler Tambouren: 1986 wurde man am Eidgenössischen Tambourenfest in Burgdorf Festsieger und Schweizer Meister in der höchsten Kategorie S1. Vorgetragen hatte man unter der Leitung von Fredy Tribelhorn «dr Drummler», «Nussknacker», und «d’Ysebahn». «Bei den Rangverkündigungen am Sonntag herrschte eine unbeschreibliche Freude. Bei einzelnen von uns sind buchstäblich die Freudetränen geflossen. Dieser durchschlagende Erfolg hätte niemand von uns erwartet!», so der damalige Präsident Bruno Lusti im Interview mit der Presse. Auch wenn eine Atempause durchaus verdient gewesen wäre, liessen die drauffolgenden Jahre kaum Zeit zur Erholung. 1987 trat man eine 3-tägige Vereinsreise ins Engadin an, spielte vor 6000 Zuschauern am Eidgenössischen «SATUS» -Turnfest in Wil und führte ein Konzert im Saal der Psychiatrie Wil durch. In guter Erinnerung an die Durchführung des Eidgenössischen Tambourenfest in Wil, feierte man 1988 auf dem Hofplatz «10 Jahre danach». Dass jenes Jahr weniger dem Kampfgeist und mehr der Kameradschaft gewidmet war, lässt die Wortwahl des Präsidenten Herbert Haag im Jahresbericht vermuten. «Fast könnte man meinen, die Trinkerei hätte einen Schwerpunkt im ver(soff)flossenen Vereinsjahr bedeutet.» Am OTV-Wettspiel 1989 in Gossau stellten die Wiler erneut ihre Klasse unter Beweis und gingen in der Kategorie Tambouren/Clairon sowie im Jungtambourenwettkampf als Sieger hervor. Die Organisation des OTV-Jugendwettspiels 1990 in Wil erwies sich als weiteres Highlight einer lebhaften Dekade. Besonders der Auftritt der Militärtambouren der Inf RS 206 Zürich zusammen mit den Jungtambouren-Sektionen auf dem Festplatz an der Hubstrasse liess wohl so manches Trommelherz höherschlagen. Die Anschaffung einer Grossen Trommel sorgte für einen ersten Paukenschlag im Aufbau des uns heute bekannten Perkussionsinventar. Schliesslich setzte die Vereinsreise ins Elsass/Schwarzwald den Schlusspunkt hinter ein abenteuerliches Jahrzehnt.