In royaler Gesellschaft
1952-1961
«Am Freitagabend, 12. Juli 1952, sammelte sich die 15 Mann starke Equipe zu dieser 1000 km langen Reise auf dem Bahnhof unseres Äbtestädtchens. Unter winken und beglückwünschen verabschiedeten wir uns um 645 von unseren Angehörigen.» Diese Worte, verfasst in sorgfältigster Schnüerlischrift, dokumentieren den Beginn einer regelrechten Odyssee mit dem Internationalen Tambourenfest im niederländischen Breda als Ziel. Nach einer friedlichen ersten Etappe strapazierte bald so manche Turbulenz die Wiler Nerven. Sowohl in Basel als auch in Köln hängte das Bahnhofpersonal den Waggon gefüllt mit Wiler Tambouren dem falschen Zug an und brockte den Passagieren damit reichlich Verspätung ein. Einmal angekommen war der Ausflug jedoch ein voller Erfolg. In dem unter dem Patronat von Prinz Bernhard der Niederlande durchgeführten Fest setzten sich die Stadttambouren gegen jegliche Konkurrenz durch und belegten den ersten Rang. Nachdem die Wiler in diesem Jahre das Trommelspiel in die Welt getragen hatten, holten sie es sich ein Jahr später, mit der Organisation des 7. OTV Tambourenfestes in die Äbtestadt zurück. Ein fantastisches Wettspiel musste sich lediglich einem einzigen Spielverderber beugen: Aufgrund der Regenschauer wurde ein Verlust verbucht. Während das Schicksal der neu etablierten Pfeiferkurse kaum dokumentiert wurde, setzten seinerzeit die heute noch bespielten Clairons ein erstes Lebenszeichen. 1954 schaffte man sechs Exemplare zu einem Preis von 45 Fr. pro Stück an. Bis zur Etablierung einer Clairon-Garde sollten allerdings noch acht weitere Jahre vergehen. In den 50er Jahren pflegte der Stadt-Tambouren-Verein ein angenehmes Verhältnis zu den übrigen lokalen Vereinen. Die Verbundenheit machte sich nicht zuletzt breit, wenn es um das Festen ging. So wirkten die Stadttambouren 1954 beim 75-jährigen Jubiläum des Sängerchores «Harmonie» in Wil mit und 1955 führte man zusammen mit der Stadtmusik Wil das «Waldfest» durch. Das meiste Herzblut aber floss zweifelsohne, wenn die Teufel durch die Gassen zogen, das Konfetti die Strassen schmückte und die begeisterte Bevölkerung «Hu ä Lotsch!» grölte. Die Vorbereitungen auf den Wiler Fasnachtsumzug hielten den Tambourenverein stets ganz schön auf Trab. Jahr für Jahr wurden Maskenköpfe geklebt, Kleider genäht, gar Ferien bezogen, um dem Gewand Gestalt und Farbe zu verleihen. Doch dann wurde es den Stadttambouren zu bunt: Dem ungeheuren Aufwand geschuldet verzichtete der Verein fortan auf eine Teilnahme am Fasnachtsumzug. Bald wurde der Verein von einem gemeingültigen Fernweh übermannt. Im Jahre 1955 führten die Stadttambouren eine eintägige Vereinsreise nach Braunwald durch und zwei Jahre später organisierte man eine zweitägige Reise an den Comersee. Dass die Wiler mittlerweile einen gewissen Ruf in der Äbtestadt erlangt hatten, belegen diverse Korrespondenzen mit der Stadt, die allerdings nicht immer erfreulichen Charakter hatten. So wurde den Tambouren 1958 schier die weitere Benützung des als Probelokal fungierenden Rathaus-Hintergebäude verwehrt. «Wenn Sie es nicht fertig bringen, Ihre Mitglieder zu Ordnung und Reinlichkeit zu erziehen, müssen Sie die Konsequenzen tragen; wir wären genötigt, Ihnen das Lokal zu kündigen.», heisst es im Drohbrief der Stadt. Der Abgang einiger Tambouren forderte von den verbliebenen Vereinsmitglieder in diesen Jahren hundertprozentigen Einsatz «sei es in technischer oder kameradschaftlicher Hinsicht». Mit entsprechendem Engagement beteiligten sich die Wiler einiger Trommelwettspiele, insbesondere dem Eidgenössischen Tambourenfest 1954 in Basel, dem Eidgenössischen Tambourenfest 1958 in Grenchen und dem OTV-Wettspiel 1959 in Winterthur. Auch für Aktivitäten abseits des Wettkampfgeschehens waren die Stadttambouren stets zu haben. 1960 beteiligten sich die Wiler an der 500-Jahre-Feier des Kanton Thurgaus, dem Bataillonstag in Wil und dem Zentralfest des Schweizerischen Studentenvereins.