Von Tuten und Blasen

1962-1971

Anfang der Sechziger Jahre war man der Überzeugung, dass fortan nicht nur Trommeln, sondern auch Clairons den Takt angeben sollten. Ein wichtiger Schritt in der Vereinsgeschichte ist auch einer, dem viele Diskussionen im Kreise der Jungwacht, wo sich das gemeinschaftliche Claironspiel ursprünglich etabliert hatte, vorangingen. In einer Auflistung von Meinrad Hangartner, dem damaligen Bundesführer der Jungwacht, sind neben einigen Vorteilen des Claironspiels auch dessen vermeintliche Gefahren gelistet. Beispielsweise wurde behauptet, das Blasen sei gesundheitlich nicht erwünscht, es würde unreife Bläser durch Erfolg zu ungesundem Ehrgeiz anregen lassen und Auftritte bürgen die Gefahr auf Alkohol-, Nikotingenuss und Tanzvergnügen. Von Meinungen dieser Art liessen sich die Stadttambouren jedoch nicht beirren und führten am 26. April 1962 die erste Clairon-Übungsstunde durch. Ein Jahr später folgte die Anschaffung von Clairon-Fanions, die noch heute in Gebrauch sind. Im Jahre 1964 erlebten die Wiler Trommler dann ein äusserst erfreuliches Déjà-vu. Erneut reiste die Sektion in die Niederlande, um dort den «Internationaal Drumband Concours» in Deventer zu bestreiten. Die Presse schrieb: «25 Korps nahmen daran teil, und die Wiler hatten unmittelbar nach dem Schweizermeister Solothurn anzutreten. Nachdem die «Stainlemer» aus Basel, die «Hansa Giessen» und ein holländisches Korps aus Den Hag mit «Vorzüglich» abgeschlossen hatten, brauchte es einigen Mut für die Wiler, sich zum Wettkampf zu stellen, doch der Sieg blieb nicht aus, die Stadttambouren erreichten die höchste Punktzahl und – den 1. Rang.» Ganz im Stile der Grossen bestritten die Jungtambouren 1965 am Ostschweizerischen Jungtambourenwettspiel in Domat-Ems ihrerseits den ersten Wettkampf und ertrommelten sich sogleich den zweiten Rang. Juniorenleiter war seinerzeit der 17-jährige Fredy Tribelhorn, der sich im Folgejahr notgedrungen als Aktiv-Sektionsleiter stellte und fortan einen Verein, nur mehr bestehend aus einigen Jungtambouren neu aufbaute. Eine Ära begann, geprägt von einem beispiellos engagierten Instruktoren, der erst 2003, nach etlichem Komponieren, Organisieren und Dirigieren; viel Freude und wohl auch einigem Kopfzerbrechen von seiner Führungsposition zurücktreten sollte. 37 Jahre Sektionsleitertätigkeit – das ist einsame Spitze in der Geschichte der Stadttambouren. Mit frischem Elan stellte sich der Verein in den späten Sechzigern manchem Wettkampf. Während die Jungtambouren vorerst abwechslungsweise erste und zweite Plätzen an den neu etablierten OTV- Jugendwettkämpfen belegten, stellte sich die Clairon-Garde 1969 in Lüchingen erstmals, in der Kategorie Tambouren/Clairon, der Konkurrenz und belegte prompt den dritten Rang. Ab dem Jahre 1967 nannte sich der Wiler Tambourenverein schliesslich «Stadttambouren Wil». Die Modernisierung löste keineswegs eine generelle Euphorie aus und stiess vor allem bei der befreundeten Stadtmusik auf Unverständnis. Und dennoch, die Verbundenheit der beiden Vereine war unermüdlich. Der gemeinsame Vortrag «Schloss Chillon» war bei aller Art Empfängen auf dem Hofplatz Programm und bei wichtigen Auftritten wurde die Stadtmusik stets von fünf bis zehn Tambouren begleitet. Im Jahre 1969 wurde das abtretende Vereinsoberhaupt Walter Leutenegger von Peter Bernhardsgrütter in seinem Amt beerbt. Rasch stellte sich heraus, wie fein die Federführung des neuen Präsidenten war. Ohne der Hingabe dessen wäre wohlmöglich weder das Claironspiel noch die historische Uniform Teil des Vereins. Pünktlich zum 50-jährigen Bestehen, welches gebührend auf dem Hofplatz gefeiert wurde, kleideten sich die Stadttambouren ein erstes Mal in jener

historischen Uniform, welche heuer anlässlich der Neuuniformierung zum 100-Jahre Jubiläum ein letztes Mal getragen werden sollte.

1962: Viel Beinfreiheit am Fasnachtsumzug.
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